Die Geschichte der Deutschen Radsport-Rundfahrten

Die Versuche, in der Geschichte des Radsports in Deutschland ein Etappenrennen dauerhaft zu etablieren, sind zahlreich. Leider ist ihnen allen gemein, daß sie aus den verschiedensten Gründen gescheitert sind. Schon im Jahr 1911 kam es zum ersten Etappenrennen über 1.500 km "Quer durch Deutschland". Bis zum Jahre 1931 kam es zu mehr oder weniger "echten" Rundfahrten durch Deutschland unter sehr verschiedenen Grundbedingungen. Im Jahr 1931 fand die erste "Deutschland-Fahrt" über 4.000 km unter Beteiligung internationaler Fahrer statt. Einigkeit besteht bei den Chronisten darüber, daß es zwischen 1937 und dem Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 zu gut organisierten und spannenden Deutschland-Rundfahrten kam.



Bereits kurz nach Beendigung des Krieges 1946 wurden in Deutschland wieder Radrennen durchgeführt. Seither wurde die Farbe des Trikots des Führenden der Gesamtwertung auf "weiß" festgelegt, was diesem den Spitznamen "Leichenhemd" einbrachte. Im Jahre 1948 schaffte es Herrmann Schwartz trotz der widrigen Umstände im Land, Partner zu finden, die mit ihm bereit waren, eine Rundfahrt über acht Etappen zu organisieren und zu finanzieren. Um das "grüne Band der IRA" (Interessengemeinschaft Radsport) und eine Siegprämie von DM 600,00 kämpfte damals erfolgreich Philipp Hilbert aus Frankenthal. 1949 siegte der Berliner Harry Saager, der 1950 nur aufgrund einer 10-minütigen Zeitstrafe den erneuten Triumph verpaßte und "nur" den fünften Platz belegte. Mit dem Tod von Herrmann Schwartz 1953 hörte dann das Herz dieser Rundfahrt auf zu schlagen.



Fritz Wenks Zweiradgesellschaft unternahm 1955 einen neuen Anlauf, der jedoch nicht über seine Premiere hinauskam. Das erste Rennen, bei dem ein Titelsponsoring vergeben wurde, entstand 1960. Es war die "Internationale Afri-Cola Deutschland-Rundfahrt". Diese Rundfahrt hatte drei Jahre bestand.



Erst im Jahre 1979 wurde ein neuer Versuch unternommen. Mit Vitamalz fand sich erneut ein Titelsponsor, der sein Engagement allerdings nur ein Jahr aufrecht erhielt - und das, obwohl Millionen Zuschauer den späteren Sieger Didi Thurau an der Strecke anfeuerten und bejubelten. Anschließend übernahm die Sport Promotion GmbH die Organisation der Rundfahrt. Im ersten Jahr siegte mit Gregor Braun erneut ein Deutscher. Im darauffolgenden Jahr wurde Klaus-Peter Thaler 6. und damit ebenso wie 1982 als Fünftplazierter bester Deutscher. Dennoch: die Organisatoren mußten 1983 aufgrund eines Defizits von DM 300.000,00 das vorläufig letzte Kapitel eines deutschen Etappenrennens schließen.



Im Jahre 1998 haben der Bund Deutscher Radfahrer e.V. und die hamburgische Vermarktungsagentur Upsolut die deutschland tour gmbh zum Zweck der Etablierung und Abwicklung eines deutschen Etappenrennens gegründet, um die große deutsche Radsporttradition erfolgreich fortzuführen. Mit neuen professionellen Umsetzungsmöglichkeiten bezüglich des sportlichen Ablaufs der Elite, des tourbegleitenden Spektakels im Rahmenprogramm und hinsichtlich einer innovativen Vermarktungskonzeption wurde ein jährlich wiederkehrendes großes Sportereignis dauerhafter Natur geschaffen.